jordanien und flüchtlingen – erfahrungsbericht von norbert beier-xanke

Norbert Beier-Xanke Archiv, Veranstaltungen und Projekte kommentieren

Norbert Beier-Xankeich war in der letzten woche für 10 tage in jordanien unterwegs, davon 2 tage touristisch mit der historischen stätte petra und dem wüstengebiet wadi rum beschäftigt. zu kurz sagt man. beides äußerst imposant. was mich aber mehr beeindruckte und beschäftigte war das leben in jordanien, so weit ich es überhaupt persönlich erfahren durfte.

 

die restliche zeit begleitete ich meinen sohn und war unterwegs auf bohrstellen, die er als geologe im rahmen eines internationalen projektes anlegte, um die unterirdischen wasserläufe und -reservoirs zu erforschen. somit kam ich zum einen in gegenden, die von touristen nicht aufgesucht werden, und zum anderen kam ich dadurch in kontakt mit menschen, angefangen vom mitarbeiter im wasserministerium, ingenieuren und bis hin zu bauarbeitern, aber auch mit privatpersonen, die sich umgehend bei den bohrstellen einfanden. mittags nach der schule kamen auch die schulkinder. es fanden rege gespräche, in englisch, mit händen und füßen und mit google-übersetzern statt. jeder dort besitzt ein smartphone.
die gastfreundlichkeit war enorm, ständig gab es tees und türkischen kaffee, auch wurden wir outdoor von den umliegend wohnenden nachbarn verpflegt. die neugierde an deutschland war riesig – insbesondere bei den schülerinnen und überraschenderweise weniger bei den schülern – und ich hätte sofort mindestens 20 jordanier einladen können, die sich umgehend ein flugticket besorgt hätten. das ansehen von deutschland war so groß, dass ich ehrlich überrascht war.

 

polizeikontrollen überall und checkpoints im jordantal. die jordanier fahren wie die irren, ähnlich den franzosen in der vergangenheit (letztere sind inzwischen domestiziert …). sobald die polizisten erfuhren, dass wir deutsche sind, waren sie übermäßig freundlich, wellcome bis hin zum hände schütteln und selbst bei geschwindigkeitsübertretungen ließ man uns ohne strafzahlung weiterfahren.
so weit so gut. das enorme ansehen deutschlands geht durch alle bevölkerungsschichten hindurch. es liegt daran, dass wir deutschen eine gosszügige flüchtlingspolitik betreiben, mehr als andere länder. das entspannt die flüchtlingssituation in jordanien selbst, weil der druck des flüchtlingsstroms aus syrien ins eigene land damit abnimmt.
jordanien nimmt weit mehr flüchtlinge als deutschland, doch ich habe keine proteste vernommen, nicht ein wort. zur zeit sind geschätzte anderthalb millionen flüchtlingen im land. wer lernen will, was nachbarschaftshilfe oder gar menschenliebe bedeutet, möge sich den umgang mit flüchtlingen in jordanien anschauen.

 

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jordanien ist eines der wasserärmsten länder der welt. der einstmals breite fluß jordan ist nur noch ein bach, weil zu viel wasser seit zu langer zeit im norden von anderen ländern abgepumpt wird. die öffentliche wasserlieferung kann nicht mehr regelmäßig erfolgen. wer sich die teuren wasserlieferungen von privaten händlern nicht leisten kann, darf eben nur wenig verbrauchen. im rahmen einer privaten essenseinladung eines mitarbeiters des ministeriums für wasserwirtschaft hören wir, wie belastend das ist. aber es führt nicht zu protesten gegen die flüchtlinge.
nur rund ein fünftel der flüchtlinge leben in aufnahmelagern. die anderen verteilen sich auf jordanischen städte und dörfer. ich habe keine lager besucht, jedoch sah ich in den dörfern auf unbebauten grundstücken zwischen anderen gebäuden kleine zeltlager von manchmal einem knappen dutzend zelten. ferner hören wir, das die mieten für wohnungen unter entsprechendem druck stehen. es wird gebaut an allen ecken, die baubranche boomt nicht nur in amman.

 

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und auf dem arbeitsmarkt fallen im unteren verdienstsegment die löhne, wovon zwar mancher unternehmer profitiert, die mehrheit der jordanier aber kaum. aber ich wiederhole: es gibt keine proteste und schon gar keine ausschreitungen gegen die flüchtlinge.
die anderthalb millionen flüchtlinge in jordanien mit rund sechs millionen einwohnern würden übertragen auf die bevölkerungsverhältnisse in deutschland 20 millionen flüchtlinge bedeuten. jordanien ist ein ressourcenarmes entwicklungsland; das pro-kopf-einkommen beträgt nur ein viertel des deutschen. und was jammern wir!?

 

 

nobert beier-xanke

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